Tropenträume erleben – mitten in Stuttgart
Egal, ob es draußen schneit, regnet oder hochsommerlich warm ist: im Amazonashaus der Stuttgarter Wilhelma herrscht permanent ein Klima, wie man es sonst nur im tropischen Regenwald erleben kann. Die Anforderungen an die klimatechnischen Anlagen sind enorm, schließlich geht es hier auch darum, Tieren und Pflanzen die artgemäßen Lebensbedingungen zu gewährleisten. Ein ganz besonderes Projekt für M+W Zander.
Mit dem Amazonienhaus besitzt der Stuttgarter Zoologisch-Botanische Garten eine in Europa bisher einzigartige Besucherattraktion: Eine perfekt inszenierte Erlebniswelt, die den Eindruck vermittelt, sich mitten im amazonischen Bergregenwald zu befinden. Möglich wurde das durch die hoch komplexe Klima- und Reinlufttechnik, für die M+W Zander beauftragt wurde.
In einem Gebäude mit ca. 2.500 m2 Glasfläche und 15.800 m3 Raumvolumen sind Tiere und Pflanzen untergebracht, deren natürlicher Lebensraum der tropische Regenwald ist. Aufgabe von M+W Zander war es, die Klimabedingungen zu schaffen, die ihr Überleben sichern und permanent dafür sorgen, dass sie sich wohlfühlen.
Ganzjährig und unabhängig von den herrschenden Außentemperaturen muss eine Innentemperatur im Sollbereich von 26° Celsius mit einer Schwankungsbreite von max. +/- 3 Grad gewährleistet sein, die relative Luftfeuchte muss konstant zwischen 60 – 80 % liegen, dabei dürfen die Scheiben nicht beschlagen. Die zugeführte Luft muss entkeimt werden, um die Tiere vor Krankheiten zu schützen. Um auch die akustische Tropen-Illusion für die Besucher nicht zu stören, muss die Klimaanlage absolut geräuschlos arbeiten. Wegen der hohen Luftfeuchte und der aggressiven tierischen Ausscheidungen müssen die verwendeten Materialien extrem korrosionsbeständig sein. Ein Systemausfall hätte katastrophale Folgen für die 120 Tierarten und über 1.000 Pflanzen, die zudem einen beträchtlichen Wert darstellen.
Pro Stunde werden ca. 30.000 m3 Luft umgesetzt. Die angesaugte Außenluft wird per Osmose entkeimt und – je nach Außenbedingungen – erwärmt oder gekühlt. Im Winterbetrieb werden 80% der erwärmten Luft über ein Umluftverfahren wieder verwendet. Die Luft wird mit Wasser angereichert und über Weitwurfdüsen entlang der Fensterfront ins Gebäude transportiert.
Das Klima im Amazonienhaus wird zu gleichen Teilen von zwei Anlagen gesteuert, die jedoch jede für sich die gesamte Leistung erbringen können und somit gegenseitig als Ausfallsicherung dienen.
Eine kreative Besonderheit ist im Zusammenwirken von Technikern, Architekten und Künstlern entstanden, um zwei notwendige große Absaugtürme für die Ausleitung der verbrauchten Luft in die Erlebnisinszenierung Tropenwelt einzupassen: Die Besucher sehen nur zwei riesige, knorrige alte Bäume, die bis zum Dach reichen, die Technik bleibt dahinter verborgen.
Das Projekt wurde innerhalb von nur 2 Monaten realisiert. Es war übrigens auch für die routinierten Ingenieure von M+W Zander besonders spannend, die heute noch gerne und mit Stolz ihren Familien, Freunden oder Interessierten das Amazonienhaus zeigen und die Anlage erklären.
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